Sonntag, 19. Juni 2011

Verwesung von Simon Beckett

Mit "Verwesung" setzt Simon Beckett im Februar 2011 die David-Hunter-Reihe fort. Wieder hat der Wunderlich-Verlag das 448 Seiten umfassende Buch mit einem für die Reihe prägnanten Cover versehen. Genau wie bei „Leichenblässe“ ist ein großes Kreuz vorn abgebildet, nur dass dieses Kreuz hier weiß auf schwarzem Untergrund ist,
und nicht wie bei „Leichenblässe“ ein schwarzes Kreuz auf weißem Untergrund.

„Eins. Zwei. Acht. Sind die Ziffern des Zerfalls.“ Damit beginnt das Buch wieder mit einem Textauszug aus einem pathologischen Fachbuch und zeigt gleich eine kleine Richtung auf, die der Roman nehmen wird.

Vor acht Jahren wurde David Hunter zu einer Leichenuntersuchung in das berühmte Dartmoor gerufen. Dort soll der Serienmörder Jerome Monk drei seiner vier Mordopfer verscharrt haben. Terry Connor ist der leitende Ermittler in dem Fall, und nicht sehr erfreut David dort anzutreffen. Die gefundene Leiche soll als Tina Williams identifiziert werden und so den Mörder überführen. Sophie Keller ist eine psychologische Polizeiberaterin, deren Hauptaugenmerk auf den anderen Leichen liegt, die auch im Moor liegen sollen, denn Sophia findet immer Verstecke von anderen Leuten und hofft so bei den Ermittlungen eine Hilfe zu sein. Doch als der Mörder fliehen will und Sophie keine Leiche findet, sondern lediglich einen alten Dachsbau, wird auf einmal die gesamte Sache abgeblasen und David Hunter kann sein altes Leben in London wieder aufnehmen. Ihm geht der Fall nur die ganzen Jahre nicht aus dem Kopf, was auch am Tod seiner Frau, ein paar Wochen nach dem Geschehen, liegen könnte.

Acht Jahre später steht Terry Connor persönlich vor Davids Tür und warnt ihn, dass Monk entkommen ist und nun auch Davids Leben in Gefahr schwebt. Als sich dann auch Sophie meldet und ihn bittet ins Moor zu kommen, kann er seine Neugier nicht mehr zügeln und macht sich auf den Weg in seine Vergangenheit. Doch Sophie lässt ihn sitzen – zum Glück für sie, denn als David ihr Zuhause findet, wurde bei ihr Eingebrochen und Sophie selbst liegt ohnmächtig in ihrem Badezimmer. Davids erster Gedanke ist Monk gewidmet, der auch damals ein Auge auf Sophie geworfen hatte. Von da an versuchen David und Sophie nicht nur die Leichen zu finden, sondern auch Monk der Polizei zu überführen.

Simon Beckett gelingt es wieder vom ersten Wort an, den Leser in seinem Bann zu ziehen. Viele verschiede anthropologische und pathologische Begriffe laufen in die Handlung mit ein, wodurch der Leser einen kleinen Einblick in die Arbeitsweisen der Ermittler bekommt.

Da die Erzählweise, wie auch in den Bänden zuvor, in der ICH-Form gewählt wurde, fühlt man mit dem Protagonisten mit. Vor allem seine Schicksalsschläge und seine gesamte Denkweise in seinen Ermittlungen, ziehen einen so sehr mit in die Geschichte, dass man gar nicht anders kann, als weiter zu lesen. Leider gelingt es Simon Beckett in den anderen Büchern, wie zum Beispiel „Obsession“, nicht mit seinem Schreibstil zu überzeugen, was den Fan wahrscheinlich ein wenig irritiert, da man den Schreibstil aus der David-Hunter-Reihe nur als pure Sucht bezeichnen kann, die Sucht die Geschichte einfach lesen zu müssen.
Was ich an diesem Buch ein wenig vermisst habe, ist der starke David Hunter aus den Bänden zuvor, denn in dieser Story kommt er zum Teil extrem ängstlich rüber, und auch sein Ermittler Sinn hat ein wenig gelitten, was bei einigen Textteilen fasst schon langweilt.

Dass der Autor dieses Mal seine Leser mit ins Dartmoor entführt, ist eine tolle Idee für einen solchen Thriller, und wieder einmal beweist Simon Beckett, dass man ihm nur eine berühmte Ortschaft mit einer langen Vergangenheit zu geben braucht, und schon entsteht eine fesselnde Story für alle Thriller-Fans. Leider muss ich sagen, dass die Geheimniswahrung um den Mörder nur teilweise bis fast zum Schluss gelingt, was in den Teilen zuvor besser gelungen war. Simon Beckett verstreut, wie bei Hänsel und Gretel, zwischen den Seiten einzelne Hinweise für den Leser, damit dieser nie die Lust an den Ermittlungen verliert. Mein Fazit ist, dass dieses Buch für jeden Simon-Beckett-Fan zwar Pflicht ist, aber dass man seine Erwartungen nicht zu hoch stecken sollte, da das Buch ein wenig an Spannung eingebüßt hat. „The Calling of the Grave“ ist der englische Titel des Buches, für alle die gerne Bücher in der Originalsprache lesen möchten.

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