Dienstag, 2. Juli 2013

Neferets Fluch: Eine House of Night Story von P.C. Cast


Lang ersehnt und endlich da: „Neferets Fluch“ von P.C. Cast, und wie jedes „House of Night“-Buch erschienen im Fischer Verlag, stillt es die Sehnsucht der Leser nach einer weiteren „House of Night“-Story. Auf 263 Seiten können wir die Anfänge einer noch sehr jungen Neferet erleben, die sich in einer harten Zeit beweisen musste. Wird Neferet es schaffen sich durchzusetzen ohne sich zu verlieren?
Alles beginnt am 15. Januar 1893 als die 15-jährige Emily (später Neferet) zum ersten Mal in ihr Tagebuch schreibt. Sie weiß und sagt selbst, dass ihre Worte nichts wert sind, aber für sie so eine Art Heilung sind. Denn sie muss zusehen wie ihre Mutter stirbt, als sie den leblosen Körper ihres so lang erwünschten Sohnes zur Welt bringt. Kurz vor ihrem Tod spricht Emilys Mutter nochmal zu ihr und sie weiß, sie wird die folgenden Worte nie vergessen: „...Du sollst wissen, was es bedeutet Ehefrau und Mutter zu sein. Du sollst dich nicht blind darauf einlassen, wie ich es tat.“ Kurz nach dem Tod ihrer Mutter soll Emily erfahren, was es heißt eine Ehefrau zu sein, denn ihr Vater verlangt von ihr, ihre Mutter zu ersetzen. Nach ihrer zweimonatigen Flucht, die sie in ihrem Bett verbrachte, musste sie sich dem Willen ihres Vaters beugen und abgemagert und leichenblass wieder am Leben teilnehmen. Es schleicht sich langsam der Alltag ein, indem sie allabendlich an der Seite ihres Vaters zu Abend isst und sich seinen anzüglichen Blicken immer bewusster wird. Als neue Dame des Hauses Wheiler muss sie sich jetzt neben ihren ganzen gesellschaftlichen Pflichten auch noch um das Haus und ihren Vater kümmern. Mit ihren erst 16 Jahren (ihren Geburtstag hat sie in den 2 Monaten der Flucht einfach „verschlafen“) gibt sie Empfänge und muss sich den gehässigen Äußerungen von der Mutter ihrer damalig besten Freundin stellen. Alles meistert sie mit Bravur, aber trotzdem kann sie dem Grauen, das sich ihr Vater nennt, nicht entziehen. Einen Ausweg bietet ihr der junge Arthur, der sie nur allzu bereit zur Frau nehmen will. Am Abend ihrer Verlobung passiert das Unaussprechliche... 


Als ich „Neferets Fluch“ innerhalb von 3 Stunden durchlas, dachte ich danach sehr lange darüber nach. Was Neferet bzw. Emily passierte, passiert heutzutage fast täglich. Das Buch hat mir vor Augen geführt, dass kein Mensch böse geboren wird, sondern ihn seine Vergangenheit prägt. Natürlich will ich Neferets weitere Taten auf keinen Fall entschuldigen, doch ich kann sie dank dieses Buchs besser verstehen. Neferet bzw. Emily ist mir im Laufe des Buches immer wichtiger geworden und ich finde es traurig, dass aus so einem herzlichen, selbstbewussten und vor allem kämpferischen Mädchen so eine boshafte Frau geworden ist. P.C.Cast hat einen unverwechselbaren Schreibstil und ihre Geschichten behandeln alle Facetten eines Menschen bzw. Vampyrs Kein Mensch ist in seinem Charakter nur Gut oder nur Böse. Es gibt keine alberne Schwarzweiß-Malerei, sondern nur die Realität, wie sie durchaus sein kann. Ich fand es auch sehr erstaunlich, dass mich die Figur von Arthur so sehr enttäuschen konnte. Immerhin ist diese Person reine Fiktion und trotzdem war ich so sauer auf ihn. Und das finde ich auch so erstaunlich an den Charakteren: Dass sie so wandelbar sind und sich auch im Buch immer wieder verändern und von Gut zu Böse werden und anders herum. Auch der Vater hat in mir einen Hasse geweckt, wie ich es kaum für möglich gehalten hätte. Es ist wirklich wunderbar, dass P.C.Cast es schafft, die Gefühle der Leser zu wecken, dass man bei jeder Seite mitfiebert. Der Schreibstil ist wie immer sehr locker, obwohl im 19. Jahrhundert etwas förmlicher gesprochen wurde. Diese „Sprachform“ wurde aber nicht zu kompliziert gestaltet, sodass man den Gesprächen sehr gut folgen konnte. Ich fand auch, dass Emily sehr fortschrittlich für ihre Zeit gedacht und gehandelt hat. Sie hatte eine außergewöhnliche Art die Menschen um sie herum zu durchschauen. Nach diesem Buch bekomme ich einfach Lust auf mehr „House of Night“-Bücher und ich freue mich schon auf das Nächste. „Neferets Fluch“ ist ein einzigartiger Einblick in das Leben der jungen Emily, die so viel in ihrem kurzen menschlichen Leben erleiden musste. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der Vorbehalte gegenüber Neferet hat und mutig genug ist, ihre Geschichte zu lesen, auch wenn man seine bisherige Meinung nach diesem Buch definitiv überdenken sollte.
 

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